Veränderung

Stabile Systeme reagieren im allgemeinen träge auf Veränderungen. Sie sind selbstgesteuert und mit Ihrer Umwelt strukturell gekoppelt. Dies ist der Grund dafür, warum gutgemeintes Veränderungsmanagement sehr häufig zu Problemen führt. Systeme reagieren flexibel auf Störungen. Ihre Eigenkomplexität und ihr Vernetzungsgrad ist hoch und sie haben deshalb gegenüber Störungen Redundanzen aufgebaut, die das Überleben gemäß der bisher geltenden Regeln gewährleisten.

  1. Der bisher häufig durchgeführte Beratungsansatz greift direkt in die Systeme ein. Durch das Vorschreiben bestimmter Vorgehensweisen und dem Vorgeben von Regeln von außen werden aber die Systemeigenschaften zerstört. Die Systeme sind nicht weiter überlebensfähig. Positive Systemeigenschaften gehen verloren.
  2. Der Systemische Ansatz geht hingegen davon aus, dass man Systeme nur über die strukturelle Kopplung beeinflussen kann. Sie sind von außen nicht steuerbar. Steuernde Maßnahmen führen gemäß dieses Ansatzes nur zu verspäteten, unbeabsichtigten Reaktionen oder zur Zerstörung des Systems. Systemisches Veränderungsmanagement beeinflusst das System durch die Eingabe von neuen Informationen, die notwendigen Änderungen müssen aber aus ihm selbst heraus initiiert werden. Mit dieser Methode lassen sich nachhaltige Veränderungen bewirkten.

Beispiel

Als Projektleiter übernehmen Sie ein neues Projekt. Diese läuft schon einige Zeit und hat die bisherigen Erwartungen nicht erfüllt.

Systemisches Denken verbietet die folgenden Vorgehensweisen:

  • Sie legen dem Projektteam einen Plan vor.
  • Sie teilen Aufgaben für den Plan zu
  • Sie legen Meilensteine für die Erfüllung der Aufgaben fest.
  • Sie kontrollieren ständig bis ins Detail die Fertigstellung der Aufgaben.

Systemisches Denken legt die folgende Vorgehensweisen nahe:

  • Sie lassen die bisherigen Routinen und Arbeitsweisen wie bisher.
  • Sie sprechen mit allen Teammitgliedern und in Gruppen und erfragen dabei Probleme.
  • In geeigneter Runde moderieren Sie das Auffinden von Lösungen.
  • Sie geben die Lösungen nicht vor.
  • In der folge können Sie auch Routinen ändern, die meistens zur Verbesserung der Kommunikation führen sollen.
  • Sie verändern später auch Teamzusammenstellungen

 

 


Ein weiteres Thema zum Stichpunkt Veränderung ist die Offenheit von Systemen gegenüber Veränderungen. Eine größere Offenheit gegenüber Veränderungen erlaubt die flexiblere Anpassung des Systems an seine Umwelt. So kann zum Beispiel ein Unternehmen flexibler auf Marktchancen und Marktrisiken reagieren.

Die Offenheit wird erleichtert durch die Menge an kontingenten Möglichkeiten, die eine Bewegung in die eine oder andere Richtung zulassen. Doch auch die Offenheit des Systems muss seine Grenzen haben. Führt Sie nämlich zu einem ständigen Springen von einer Möglichkeit zur Nächsten, so ist eine Zielerreichung des Systems und eine Anpassung an seine Umwelt deutlich erschwert. Mit einer zu großen Bereitschaft zur Veränderung gerät ein Unternehmen auf einen Schlingerkurs, der das Weiterkommen auf der Strasse zum Ziel im Schneckentempo bedeutet. Andere Unternehmen, die geschickter mit Ihren Möglichkeiten umgehen, werden unweigerlich überholen.

In jedem Fall ist es in kontingenten Entscheidungssituationen absolut notwendig, die erkannten Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen, die Beziehungen der Möglichkeiten untereinander zu beleuchten und sich Wege offen zu halten.

Copyright © 2005 D. Harbeck
Letzte Änderung dieser Seite am:  27.06.2004