LernkreislaufDer Lernkreislauf basiert auf der Erkenntnis, das Entscheidungen kontingent sind. Zentrale Idee ist, dass man nach einer erfolgten Entscheidung iterativ (in Schleifen) überprüft, ob die getroffene Entscheidung dazu geführt hat, dass man sich dem gewünschten Ziel angenähert hat. Der Lernkreislauf durchläuft iterativ die folgenden Schritte: - Beobachtung des Ist-Zustandes des zu steuernden Systems. Um ein System möglichst umfassend beobachten zu können und um die nachfolgende Entscheidung zwar kontingent aber nicht völlig beliebig zu halten, ist ein bestimmtes Maß an Eigenkomplexität des beobachtenden Systems notwendig. Beispiel: Wird die Entscheidung von mehreren Personen in einem Workshop statt nur vom Vorgesetzten allein vorbereitet, so ist eine deutlich höhere Eigenkomplexität vorhanden. Mehrere Personen betrachten die Aufgabenstellung aus unterschiedlichen Perspektiven und bringen unterschiedliche und einander ergänzende Lösungsvorschläge ein.
- Vergleich des beobachteten Zustandes mit dem gewünschten Zustand. Der gewünschte Zustand ist als Ziel vorgegeben.
- Ableiten von Handlungen und Entscheidungen, um den gewünschten Zustand erreichen zu können. Es werden in der Situation Entscheidungen getroffen, die auf dem Vergleich zwischen Wunsch und Ziel beruhen. Dabei werden einige Möglichkeiten verworfen und andere selektiert.
Das bisher vorgestellte Lernmodell abstrahiert zunächst von den beiden folgenden Vorstellungen:
- Das, was Systeme beobachten und die Verfahren, die Systeme zur Auswahl von Möglichkeiten verwenden, hängen davon ab, durch welche Erfahrungen und daraus abgeleitete Verhaltensweisen ein System geprägt ist. Diese werden auch als mentale Modelle bezeichnet. Ein erweitertes Lernen schließt auch ein, dass sich die mentalen Modelle aufgrund der im Lernkreislauf gemachten Erfahrungen verändern. So wird im erweiterten Lernkreislauf sowohl das zu steuernde System als auch das beobachtende System verändert.
- Das zu erreichende Ziel ist nicht in jedem Fall fest definiert, sondern kann sich im Laufe des Lernprozesses verändern. (Link: Beispiel): In einem Projekt kann sich die gewünschte Funktionalität des zu erstellenden IT-Systems verändern. Erkennt der Endanwender, dass eine Funktionalität überflüssig und eine andere notwendig ist, so verändert sich das zunächst festgelegte Ziel..
Werden sich verändernde Ziele und sich verändernde mentale Modelle in Projekten zugelassen und setzt man den Lernkreislauf konsequent ein, so erhöht man wesentlich die Flexibilität des Prozesses und der beteiligten Organisationseinheiten. Die eben beschriebenen Zusammenhänge bilden das theoretische Fundament, auf dem die Agile Softwareentwicklung basiert.
Eine Schwierigkeit beim Lernen ergibt sich dann, wenn die durchgeführten Handlungen nicht sofort wirken, sondern wenn sich die Reaktion mit einer Zeitverzögerung ergibt. Dies erschwert die Beobachtung der gewünschten Annäherung an einen Zielzustand wesentlich.
In unserem Artikel Systemisches Denken in der Softwareentwicklung haben wir das folgende Bild als Beispiel für einen Lernkreislauf genutzt (die Erklärung dazu finden Sie in dem Artikel) 
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