KomplexitätVon der Komplexität eines Systems spricht man, wenn das System eine der folgenden Eigenschaften aufweist: - Das System besteht aus sehr vielen verschiedenartigen Teilen.
- Es gibt viele verschiedenartige Beziehungen zwischen den Teilen des Systems.
- Die Teile des Systems verändern sich ständig.
- Die Beziehungen zwischen den Teilen des Systems verändern sich ständig.
Die Punkte 1. und 2. bezeichnen wir auch als Detailkomplexität, während die Punkte 3. und 4. als dynamische Komplexität bezeichnet werden. Bei den Punkten 1. und 2. ist die Forderung nach Verschiedenartigkeit besonders wichtig. So ist z.B. ein Gas, dass aus sehr vielen Teilen und sehr vielen Beziehungen zwischen den Teilen besteht, nicht komplex.
Hochkomplexe Situationen zeichnen sich dadurch aus, dass das Wissen, dass man über das System zu einem Zeitpunkt hat, niemals vollständig sein kann. Durch die Verschiedenartigkeit der Teile oder durch die sich ständig verändernden Systemteile und Beziehungen zwischen den Teilen ist es unmöglich, zu einem Zeitpunkt ein System vollständig beschreiben zu können. Das System kann nur in Ausschnitten beobachtet werden. In hochkomplexen Situationen ist es deshalb notwendig, Entscheidungen auf der Basis von unsicherem Wissen zu treffen. Derartige Entscheidungen werden als kontingent bezeichnet. Der Lernkreislauf ist das Instrumentarium, mit dem man in hochkomplexe Situationen auf der Basis unsicheren Wissens steuern kann. Eine Übersicht verschiedener Möglichkeiten finden Sie bitte unter Strategien zum Umgang mit Komplexität. 
Beispiel: Einkauf an der KasseDas Anstellen an der Kasse beim Einkauf am Freitagabend erscheint zunächst als wenig komplexes Problem. Die Variable „Schlangenlänge“ lässt einen zunächst sehr schnell zu einer einfachen Entscheidung kommen.
Man stellt sich zwar an einer immer noch langen, aber eben der kürzesten Schlange an. Das Betrachten der Einkaufswagen vor einem und dem Vergleich mit den Nachbarschlangen lässt einen dann jedoch sofort die Richtigkeit der Entscheidung bezweifeln. Die bis zum Rand gefüllten Einkaufswagen vor einem führen zu einem Wechsel der Einkaufschlange. Die Unsicherheit ob der Richtigkeit der Entscheidung steigt, wird aber durch die Abarbeitung zweier Einkaufswagen vor einem zunächst wieder beruhigt.
Doch da naht aus dem Hintergrund neues Unheil. Ein Kunde mit einer schwierigen Frage an die Verkäuferin sorgt für ausgedehnte Diskussionen, die auch die Verkäuferinnen anderer Kassen mit einbezieht. Durch diese Verzögerung wurde zum Glück höchstens eine Einkaufswagenlänge gegenüber einer weiter rechts liegenden Kasse verloren.
Doch ein jetzt sichtbar werdendes Schild oberhalb der Kasse löst das blanke Entsetzen aus: An der gewählten Kasse sind keine Kartenzahlungen möglich.
Das fehlende Bargeld macht das Einreihen an einer anderen Kasse notwendig, das Rennen ist jetzt ohnehin verloren.
Die Aufgabe führt dazu, dass im weiteren Verlauf des Abenteuers auch die Probleme bei der Eingabe der Kreditkartennummer eines vor einem liegenden Kunden und das Vergessen des Abwiegens eines Apfels einer Kundin resigniert hingenommen werden. |

Das Anstellen an der Kasse war also doch ein komplexes Problem. Es bestand kein vollständiges Wissen über die möglichen auftretenden Probleme (beim nächsten Mal ist es eine fehlende Auszeichnung eines Kleidungsstückes, eine Nebenkasse macht auf und man verpasst den Anschluss) und die Entscheidungen waren kontingent. |